Verhandlungsverfahren Wohnbebauung WA18 Freiham

Stadtraum

Das neue Quartier nimmt eine besondere Lage im Gefüge des neuen Stadtteils Freiham ein. Nahe dem Übergang zwischen dem ausgedehnten Stadtteilzentrum im Süden, geprägt von öffentlichen Nutzungen wie verschiedenen Schulen und zahlreichen Sporteinrichtungen, sowie Adressen des Arbeitens und zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten, stellt dass WA 18 eine stadtbildprägende Position an der neuen Hauptstraße, der Aubinger Allee, dar. Gleichzeitig bildet es einen relevanten Baustein an der südlichen Straße, die Neuaubing im Osten mit dem neuen Landschaftspark im Westen verbindet.

Die nördlich gelegene Quartiersstraße (U 1706) dient als Schnittstelle zu den benachbarten Stadtblöcke und schafft die Adresse für die öffentliche Nutzung der KITA im Norden des neuen Wohnquartiers.

Das städtebauliche Konzept von Ortner und Ortner sieht für die vier benachbarten Gevierte eine, im Unterschied zu den weiter nördlich geplanten Bausteinen, eine tendenziell geschlossenere, blockartige Bebauung vor. Die klaren Konturen der Blöcke stärken vor allem den geschützten Innenhof des Wohnquartiers. Darüber hinaus ermöglicht die Typologie des Blockes eine stadträumlich relevante und prägende Setzung zur Aubinger Allee hin. Gleichzeit gilt es, als eine Art Mittler zum „Haus an Haus“ Konzept der nördlich anschließenden Quartiere von West 8 zu fungieren. Diese Rolle bedingt das rhythmisierte Bild der Fassade des Blocks zur großen Allee hin. Von der Hauptstraße, nach Westen führend, werden die weiteren Gebäude entsprechend dem Bebauungsplan, ganz selbstverständlich entlang der Straßen gesetzt.

Für sich individuell lesbar, und doch zusammen als Ensemble verständlich.

Eine hermetische, rigide Uniformität wird so, bei gleichzeitiger Wiederholung einzelnen Typenhäuser in der Blockform, verhindert. Entsprechend der ursprünglichen städtebaulichen Planung, werden die Gebäude im Geviert des Blocks ohne die durch die GF Mehrung angeregten, siebengeschossigen Dominanten geplant. Die in Aussicht gestellte, zusätzliche Wohnfläche wird vielmehr in einem, gleichmäßig aufgesetztem, rhythmisch durch Terrassen unterbrochenem, sechsten Geschoss nachgewiesen. Entsprechend der Typologie des Blocks als regelhafter Baustein der neuen Stadt, beschränkt sich die Konturierung der Gebäude also auf jeweils eingeschossige wiederkehrende Höhenstaffelungen.

Anders als die Bauteile im Norden und im Süden des Quartiers, zeigt sich das Bauteil 2 mit einer, zur Aubinger Allee gewandten Fassade aus rotem Klinker. Es entspricht damit der stadträumlichen Bedeutung dieses Hauses und schafft gleichzeitig eine nachhaltige und robuste Fassade des Wohnens. Die Modularität des Klinkers lässt darüber hinaus die gezeigte Profilierung der Fassade zur Allee hin und die damit zusätzliche Differenzierung der einzelnen Stadthäuser im Block besonders selbstverständlich erscheinen.

Die nördlichen und südlichen Bauteile des Quartiers werden als verputzte Mauerwerksgebäude in verwandter Farbgebung gestaltet und schaffen so eine beiläufige Verbindung zur westlichen Bebauung im gemeinsamen Block (Stadibau). Vereinzelte, geringfügige Unterschreitungen der Abstandsflächen der Bauteile auf eigenem Grund zu einander erscheinen unkritisch. Die Belichtung und Belüftung der betroffenen Räume der EG Wohnungen ist gewährleistet. Alle weißen jeweils eine weiter Fensteröffnung auf.

Freiraum

Die offene Spiel- und Liegewiese bildet das Zentrum des Wohnhofes. An diese fügen sich in den Blickachsen der Hoffugen intensivere Aufenthaltsbereiche wie kleine Treffpunkte, Spielinseln und die Freifläche des Kinderhauses. Verbunden werden diese durch den rahmenden Erschließungsweg. An diesen Rundweg führen auch die Hauszugänge. Platzartige Aufweitungen betonen die Hofzugänge. Die Dimensionierung ermöglicht auch die Befahrung durch Rettungsfahrzeuge. Die erhöhten, den Erdgeschosswohnungen zugeordneten privaten Gärten, bilden den äußeren grünen Hofrahmen und schaffen den geschützten Übergang zum privaten Wohnraum.
Die Oberflächenversiegelung wird auf die notwendigsten Wegebeziehungen beschränkt und die offene, nicht unterbaute Mitte ermöglicht auch die örtliche Regenwasserversickerung. Standortgerechte Großbäume, wie z.B. die Flügelnuss, verstärken die Rahmung der grünen Mitte und unterstreichen die ruhige, einfache und kraftvolle Hofgestaltung.

Wohnen

Die besondere Lage an der stadträumlichen wichtigen, belebten aber auch lauten Aubinger Allee sowie zur ebenfalls lebendigen südlichen Planstraße verlangen nach spezifischen Typologien der einzelnen Wohnungen. Die ins Blockinnere erweiterten Baukörper schaffen ruhige, zum Hof gewandte, dennoch zweiseitig orientierte, kleinere Wohnungen. Die gewählte Spännererschließung lässt ergänzend dazu, attraktive, durchgesteckte Wohnungen mit überwiegend zum Hof gerichteten schützenswerten Räumen entstehen. Die vorgeschlagenen Schallschutzloggien schaffen gleichzeitig eine Attraktive über Eck Beziehung der zur Straße orientierten Räume und ermöglichen einen weiteren, zwar kleinen, aber überaus attraktiven Freiraum zum Leben in der neuen Stadt. Bewusst werden verschiedene Wohnungsgrößen und Wohnmodelle wie die geforderten Wohngruppen und Wohngemeinschaften in den Bauteilen kombiniert. Die großzügigen Balkonzonen zum Hof schaffen kostengünstige aber attraktive Ergänzungen zum Wohnraum und stärken das Lebensgefühl des Wohnens am grünen Stadtrand.

Alle Häuser sind vom Öffentlichen Straßenraum erschlossen. Die Erdgeschoßwohnungen sind als Hochparterre organisiert. Barrierefreie Durchgänge von den Wohnungen in den Hof sind obligatorisch.

Die Kita ist wirtschaftlich auf zwei Geschoßen organisiert. Sie verfügt über zwei bauliche Rettungswege. Der südliche Beipass erlaubt das Angebot eines Spielflurs.

Wirtschaftlichkeit

Die überwiegend als Vierspänner organisierten Häuser ermöglichen eine überaus hohe Flächeneffizienz.

Die einfache Konstruktion der Häuser mit tragenden Treppenkernen und Ziegel Außenwänden, sowie die als Filigrandecken geplanten, kurz spannenden Deckenplatten versprechen eine sehr wirtschaftliche Bauweise. Alle Wohnungen mit einem Bad verfügen, wie gefordert über lediglich einen Installationsschacht. Die Konstruktion der Häuser zeigt einfache und robuste Details. Die hofseitigen, vorgestellten Stahlbalkone, die ohne aufwändige Isokörbe auskommen dienen hier als Beispiel. Die hohe Flächenausnutzung unterstreicht die wirtschaftliche Herangehensweise der Planung. Der zu erwartende geringe Bauunterhalt der gezeigten, robusten Klinkerfassade, kompensiert nach wenigen Jahren die etwas höhere Erstinvestitionen.

Konstruktion

Die Bauteile 1, 3 du 4 sind als einfache, verputzte Mauerwerkskonstruktionen mit Dämmziegeln in 42,5 cm bzw. wo möglich in 36,5 cm Wandstärke mit tragenden Kernen und Stahlbetonfertigteildecken geplant. Wohnungstrennwände sind in Vollmauerwerk vorgesehen. Bei mehr als 5-geschoßigen Bauteilen ist das EG in verstärkter, gedämmter Massivbauweise geplant. Die erhöhten Lärmwerte und die angestrebte Wirkung zur Aubinger Alle lassen hier eine gedämmte Vollziegelwand mit vorgeblendeter Klinkerschale angemessen erscheinen. Die Innenwände der zurückgesetzten Wände der Schallschutzloggien, sowie die Hofseiten des Bauteils sind ebenfalls in verputztem Dämmziegelmauerwerk geplant.

Die hofseitigen Balkone sind als eigenständige Stahlkonstruktionen vor die Mauerwerksfassade gestellt.

Die dreifachverglasten weißen Kunststofffenster können dahinter ohne Rollläden ausgeführt werden.

Schallschutz

Die leicht modulierte stadträumliche Figur im Norden und Süden des Blocks verbessert durch die gezeigte Verknappung der Gebäudeabstände die Schallsituation im Hof deutlich.

Beim Erreichen der geforderten Schallschutzwerte in den Wohnungen gibt der Entwurf den gezeigten Schallschutzloggien den klaren Vorzug vor technischen Lösungen wie etwa Einzelraumlüftern, die in Wartung und Unterhaltskosten einen weitaus größeren Aufwand und Energieverbrauch erwarten lassen. Darüber hinaus schaffen die gewählten Grundrissfiguren eine Vielzahl schalllabgewandter schützenswerter Räume.

Haustechnik / Nachhaltigkeit

Alle Küchen sind an die sogenannten „GWG-Bäder“ gekoppelt. Die Anzahl der Stränge ist somit minimiert. Alle Bäder und WCs liegen immer übereinander. Jede Wohnung kann natürlich belüftet werden.

Die kompakten Gebäudeformen und die Wahl der Schallschutzloggien als Pufferraum für eine Vortemperierung der Außenluft zum Lüften der Wohnungen, lassen eine günstige energetische Bilanz erwarten. Die vorgestellten durchlaufenden Balkone sorgen für natürlichen sommerlichen Wärmeschutz. Auf den Dachflächen können bei Bedarf Photovoltaikpaneele angeordnet werden.

Brandschutz

Alle Wohnungen verfügen über mindestens einen baulichen Rettungsweg und ein anleiterbare Öffnung zum Hof, bzw. zu den Durchfahrten. Einseitig nach Süden orientierte Wohnungen im Bauteil 1 (EG KITA) werden an zwei bauliche Rettungswege (Treppen) angeschlossen.

Die Feuerwehr kann ansonsten alle anzuleiternden Stellen mit den Rettungsfahrzeugen im Hof anfahren.