Wohnbebauung Iserring Waldkraiburg

Anerkennung

Waldkraiburg ist eine junge Stadt. Als solche ist sie geprägt von Neugründung und einer dynamischen Veränderung des Stadtraums. Die heterogene Umgebung des Quartiers zeigt diese Tradition Waldkraiburgs der ständigen Neuwidmung und stadträumlichen Variabilität. Diese Charakteristik weiter zu entwickeln und gleichzeitig eine, für den Ort spezifische räumliche Qualität zu erzeugen, ist der Ansatz des Entwurfs. Die Chance einen bestehenden Siedlungsteil, reich an Baumbestand und eingebunden in unterschiedliche nachbarschaftliche Systeme neu zu interpretieren und mit dieser Neuinterpretation auch die Verknüpfung mit den umgebenden Teilen der Stadt zu verbessern war dabei konzeptprägend.

Polygonal geformte, zu Gruppen arrangierte Baukörper unterschiedlicher Geschossigkeit erzeugen differenzierte Nachbarschaften und neue räumliche Beziehungen untereinander, vor allem aber zu den umgebenden bestehenden stadträumlichen Situationen. Im Norden, zum Stadtplatz hin werden an das Bestandsgebäude angemessene, von der Straße weiter zurückgesetzte drei- bzw. viergeschossige Bauteile platziert. Zusammen bilden sie einen dem Bestand südlich vorgelagerten Teilraum. Nach Süden weitet sich dieser von großen Bäumen geprägte Freiraum. Die zellenartigen, polygonalen Einzelvolumen sichern eine umfassende, vielseitige Orientierung der Baukörper in die verschiedenen Baumkulissen. Die Freiräume werden durch die verschiedenen Zäsuren mit der umgebenden Stadt verknüpft. Somit dient der neue Baumgarten, ergänzt durch einen erdgeschossigen Gemeinschaftsraum als Schnittstelle der Einzelquartiere in der Umgebung. Aus dieser Mitte heraus werden die neuen Häuser auch erschlossen. Ein südliches Bauteil vermittelt räumlich zwischen dem halböffentlichen Baumhain, dem Straßenraum, beziehungsweise der östlichen Bestandsbebauung. Gleichzeitig entsteht durch die neuen rhythmisierenden Setzungen der Gebäude zusammen mit den erhaltenen straßenbegleitenden Bäumen eine lebendige Fassade zur Egerländer Straße. Der sechsgeschossige Baukörper im Westen wirkt als prägnante Markierung zum westlich anschließenden Kreuzungsbereich und klärt die stadträumliche Situation südlich der AOK.

Die Außenanlagen des neuen Wohnquartiers sind ruhig und naturnah gestaltet. Die Formensprache der Wege und Grünflächen greift die Thematik der Gebäude auf und führt diese im Außenraum fort. Es entsteht eine netzartige Verwebung des Gebietes, die Assoziationen zu Blattadern oder Zellstrukturen zulässt und ein kommunikatives Miteinander der zukünftigen Bewohner fördert. Die Besonderheit des Entwurfs liegt darin, dass alle Bäume, die nicht auf der Bestandstiefgarage liegen, erhalten bleiben und sich die Gebäudestrukturen an die vorhandenen Baumstrukturen anpassen. Dadurch erhält das Quartier von Anfang an einen naturnahen und gewachsenen Charakter.

Über Eingänge, die dem gemeinsamen Baumgarten im Inneren der Anlage zugewandt sind betritt man die als Mehrspänner organisierten Häuser. Großzügige und überwiegend natürlich belichtete Treppenräume verbinden die verschiedenen Wohnungen. Die geringe Anzahl von fünf Liftanlagen gewährleistet eine wirtschaftlich sinnvolle barrierefreie Erschließung aller Wohnungen. Entsprechend des gewünschten Wohnungsschlüssels verteilen sich die verschieden großen und unterschiedlich organisierten Wohnungen über die einzelnen Gebäude und Geschoße. Dies erzeugt lebendige Nachbarschaften auf den einzelnen Etagen. Alle Wohnungen sind mindestens über zwei Seiten zu verschiedenen Stadträumen hin orientiert. Unterschiedliche Wohnungstypen (Dielentypen, Z-Typen, Tag-Nachttypen...) erzeugen ein reiches Angebot an Wohnungen für sehr unterschiedliche Lebens- und Familienverhältnisse. In die Wohnräume eingreifende Loggienbalkone verzahnen zusätzlich das Wohnen mit dem Außen. Die verputzten Fassaden der Häuser formulieren durch gestreckte, vertikale Konzeption der Außenwände mit den eingebundenen Balkonelementen, eine moderne, elegante Haltung.