Wettbewerb Parkstadt Schwabing

Die Parkstadt Schwabing wird vor allem als großmaßstäblicher Bürostandort wahrgenommen. Dieses Ortsverständnis wird vor allem durch die Wahrnehmung von der Autobahn aus bestimmt. Von hier aus präsentiert sich die Parkstadt als gleichförmiges Quartier des Arbeitens das sich längs der A9 zwischen den prägnanten Gebäudefiguren des Doppelscheibenhochhauses im Süden und des Osram Hochhauses im Norden aufspannt. Auch vom Mittleren Ring aus ist der Wohnstandort Parkstadt Schwabing nicht wirklich präsent. Dies ist eines der Resultate des stark getrennten Nutzungskonzeptes innerhalb des Gesamtquartiers. Drüber hinaus lässt der Blick auf die nähere Umgebung des Quartiers mit der alten Heide auf der gegenüberliegenden Autobahnseite, sowie der unmittelbaren Umgebung im Südosten die Tradition von Wohnen im Stadtteil durchaus erkennen.Die starke Trennung der Quartiere durch die großmaßstäblichen Verkehrswege und die beschriebene Funktionstrennung im Inneren der Parkstadt bestimmen also den Charakter des Ortes. Mit der gestellten Aufgabe ergibt sich die Chance eine zeitgemäße Interpretation des städtischen Lebens in extrem urbaner Dichte an einem prägnanten Punkt in der Stadt zu entwickeln. Der Ort verlangt jedoch nach einer sehr spezifischen Antwort auf die Frage wie Stadtraum als hochverdichteter Lebensraum an dieser besonderen Stelle in der Stadt „werden“ kann.

Ziel der Planung ist es eine stadträumliche Belebung der südlichen Parkstadt Schwabing zu erreichen. Es gibt die seltene Möglichkeit eine „kritische Masse“ für Urbanität zu erzeugen und zu gestalten. Drei Verschiedene, explizit für den Ort entwickelte Stadtbausteine besetzen die vier Baufelder. Die neuen, räumlich, funktional und typologisch hybriden Gefüge schaffen dabei klare Stadträumliche Situationen und eindeutige Adressen in der Stadt. Dabei setzt das Konzept auf lokal vorgefundene Maßstäbe und Körnungen. Auf dem Feld des MK 4 bildet eine Kette verschränkter Häuser den schützenden Abschluss der nördlichen, vorhandenen Wohnbebauung. Als sichtbare Interpretation des Themas Wohnen erscheint aber auch die am Ort eingeführte Typologie des Hochhauses passend. In Kombination mit einem flacheren Konglomerat dreier Hofräume bildet sich ein neuer, dichter, an der Stelle vertraut wirkender Stadtbaustein. Dieser schafft am südlichen Eingang zur Parkstadt und zur Trambahn hin eine Art stadträumlichen Auftakt zum Quartier. Der neu definierte Straßenraum der Anni-Albers-Straße wird von unterschiedlich hohen Gebäudeteilen geformt. Sie führt zum neu geschaffenen Lionel-Feininger-Platz. Dort finden sich Adressen des Wohnens auf Zeit, des Wohnens und des Arbeitens. Der neue südöstliche Hochpunkt ergänzt den stadträumlichen Anspruch dieses Quartiersplatzes. Schließlich vermittelt östlich der Lionel-Feininger-Straße auf den vereinigten Baufeldern des MK7N und des MK9S ein Gefüge von Gebäuden als durchlässige Setzung ähnlicher Bausteine zwischen dem dichten Stadtraum des Wohnens im Westen und dem Park im Osten. Im Norden des Baufeldes findet sich in zwei der Bausteine erdgeschossig eine kombinierte KITA mit nach Osten orientierten Freiflächen.

Die relativ hohe Dichte des Quartiers fordert präzise Überlegungen zu geeigneten Typologien, die dem Potential der „Vertikalen Individualität“ des Bestandes auf der einen Seite aber auch dem Kollektiven Bedürfnis nach Nachbarschaft als Qualität des städtischen Wohnens gerecht werden. Sehr unterschiedliche Typologien versprechen diese urbane Atmosphäre. Auf dem Baufeld des ehemaligen MK 4 adressieren verkettete, 6-7 geschossige Stadthäuser, die mit großzügigen Wintergärten nach Süden sowie im Inneren verbunden werden, zur Anni-Albers-Straße im Süden bzw. zur Lilly Reich Straße im Norden. Loggien-balkone zu offenen, Atrium artigen Freiräumen versprechen eine gute Wohnqualität. Die zum Teil polygonale Form der Bauteile stellt dabei eine gute Belichtung der Wohnungen sicher. Im Nördlichen Teil findet sich eine KITA mit der entsprechenden Freifläche. Auf dem Feld des bisherigen MK 3 findet sich eine Kombination unterschiedlicher Wohntypologien. Zweigeschossige, zum Teil gestapelte Stadthäuser gruppieren sich um die drei viergeschossigen Höfe und wechseln sich mit Geschoßwohnungen ab. Die Dachflächen dieser Hofkombination sind als gemeinsamer Dachgarten geplant. Je nach Orientierung werden die Bauteile direkt von der Straße, außen erschlossen oder über den mittleren der drei Höfe. Auch das mittlere der Hochhäuser hat hier im Hof seinen Eingang. Diese differenzierten Arten der Erschließung versprechen klare Adressen. In den beiden anderen Hochpunkten finden sich, entsprechend ihrer Lage im Stadtraum im Erdgeschoss kleine Läden oder andere Nutzungen des täglichen Bedarfs. In den darüber gelegenen beiden, überhohen Geschoßen sind Büro, bzw. Praxisnutzungen vorgesehen. Darüber ergibt sich eine Kombination aus Appartements, durchgesteckten Wohnlandschaft, effiziente 2 Zimmer Wohnung, Familienwohnungen bis hin zu großzügigen Panoramawohnungen in den oberen Geschoßen. Die 6 geschossigen Bausteine im MK 7 und MK 9 stehen zur Straße hin dicht zum Park hin offener. Zur Straße hin zeigen sie ein überhohes Erdgeschoß. Unterschiedliche Wohnungsgrößen gruppieren sich in den polygonalen Häusern um ein zentrales Treppenhaus. Die Form der Häuser und die Lage und Orientierung der Wohnungen gewährleisten eine gute Belichtung und eine angemessene Privatheit der Wohnungen und deren Freibereiche mit Orientierung in die sehr attraktiven Übergangsräume zum und in den Park.