Realisierungswettbewerb Landsberg am Lech

Nahe an der Altstadt Landsbergs entsteht in der unmittelbaren Nachbarschaft, jenseits des Lechs, ein neues städtisches Quartier. Vier Stadtbausteine fügen sich entlang der Bahn und der neuen Wegeverbindung, die das Quartier mit der Altstadt verbindet, ein. Der Entwurf fügt sich als erster, neuer Baustein an den für ihn bestimmten Ort im neuen Gefüge. Die vier Seiten des Perimeters sind dabei bezüglich seiner Umgebung sehr unterschiedlich bestimmt. Im Norden findet sich ein Stadtraum der „ruhigen Querung“, südlich der Veranstaltungshalle. Im Westen schafft der erhaltene langgestreckte, elegante Karl-Schrem-Bau, als großzügiges Gegenüber einen ruhigen städtischen Raum. Im Süden findet sich das neu geschaffene, lebendige Entrée zum Quartier, der „Platz am Mutterturm“. Östlich des Bausteins erscheint der Naturraum des Lechs mit der Altstadt im Hintergrund und der dicht begrünten Lechuferpromenade im Vordergrund.

Der Bebauungsplan staffelt entsprechend dieser Orientierungen die Baufelder und Höhen. Eine klare Orientierung der neuen Bebauung hin zum Lech wird gezeigt. Gleichzeitig bindet ein Sockel die verschiedenen Lagen des Wohnens und Arbeitens zu einer städtebaulichen Figur zusammen. An einer Stelle öffnet sich das Gefüge im Erdgeschoße zum Stadtraum. Die beiden leichten Knicke in den Längsseiten schärfen das stadträumliche Profil des Perimeters. Die sich ergebenden Kanten des Gesamtvolumens nehmen deutlich Bezug auf die umgebenden Gebäuden im Norden und Süden. Die Variationen der Konturen im Inneren des Gefüges tragen gleichzeitig zu einer optimierten Wohnsituation in den oberen Wohnvolumen bei. Ein unmittelbares Gegenüber im Inneren des relativ dicht gesetzten Hofes wird vermieden. Zum anderen erzielt die Teilung des im Bebauungsplan vorgeschlagenen langen Baukörpers im Norden eine verbesserte Wohnlage in den beiden entstehenden Häusern.

Die Sockelzone im Westen zum Karl-Schrem-Bau wird auf das Niveau des Verbindungsstücks zu dessen Neubau angehoben. Diese zwei geschossige Basis verdichtet die erwartete urbane Qualität des neuen nord-süd gerichteten Stadtraums und ermöglicht gleichzeitig die Setzung zweigeschossiger Atelier-Maisonetten als wohnraumnahe Arbeitsumgebung. Die wichtige urbane Kante im Süden des Bausteins wird nicht unterbrochen. Hier finden sich öffentliche Nutzungen, die den neuen Platz durch nach Süden orientierte Café-Terrassen beleben. Der Durchgang ist im Norden der Bebauung angeordnet und stärkt so die Verbindung des Quartiers mit der Altstadt über den nahen Lechsteg.

Alle Nutzungen des Erdgeschoßes orientieren sich nach Außen.; sowohl die Nutzungen der Gewerbe- und Dienstleistungseinheiten, wie auch die Wohneingänge beleben den öffentlichen Raum. Der Innenhof bleibt ein ruhiger, privater wenn auch dichter Raum für seine Bewohner und Arbeitende. Zum Straßenraum entlang des Lechufers reihen sich verschieden dimensionierte und lebendig geschnittene Einheiten zur Öffentlichkeit. Teilweise werden diese entsprechend ihrer Lagegunst mit kleineren Wohnteilen kombiniert. Im Süden des Quartiers finden sich neben der kleinen Café-Gastronomie weitere Nutzungen zur Belebung des neuen Platzes am Mutterturm. Im Westen, gegenüber des Karl-Schrem-Baus, der mit seinem überhohen Erdgeschoß neben dem Arbeiten in Teams und auch Nutzungen des Ausstellens und Verkaufens ermöglicht, ergänzen die beschriebenen Kombi-Duplex das Angebot an Wohnen und Arbeiten im neuen Stadtteil. Über einen leichten Splitlevel verbinden sich öffentliches Atelierarbeiten mit dem Essbereich und dem Hof, sowie auf der oberen Ebene mit den privaten, überhohen, nach westen orientierten Wohnräumen und den zum ruhigen Innenhof nach Osten weisenden Schlafräumen.

Der neue Stadtbaustein zeigt sich als fein geschnittenes, lebendiges, modernes Bauwerk. Die dunkle Farbgebung der Außenfassaden mit den großen Fensterformaten schafft einerseits ein starkes Gegenüber zum kräftig eleganten Karl-Schrem-Bau. Zum anderen bietet die gezeigte Gestaltung ein angemessenes Gegenüber zum Naturraum des Lechufers im Osten.

Die Freiräume der Wohnungen werden sehr präzise entsprechend ihrer Lage im Stadtraum differenziert. Weit in den Stadtraum ragende Balkone werden vermieden; der Baustein behält seine präzise Kontur nach außen. Eine Kombination aus Loggienbalkonen und schmalen Balkonstreifen bieten großzügige und doch geschützte Freibereiche. Ergänzt wird dieses Angebot durch die Dachterrassen zwischen den oberen Baukörpern. Zusätzlich bietet der Innenhof ein hochwertiges Angebot an unterschiedlichen Freiflächen.

Im Erdgeschoss stellt sich das Haus mit einem Sockel aus dunklem Beton in den Stadtraum. Die Eingänge der Häuser und Atelier-, und Ladeneinheiten schaffen dazu mit einer hellen, eingezogenen Fassade einen angenehmen Kontrast. Großzügige Glasflächen schaffen Einblicke in die Einheiten. Nach oben hin bilden dunkle Holzelemente ein angenehmes Außen entlang der südlichen, schmalen Balkone. Sonnengelbe Senkrechtmarkisen akzentuieren die zurückhaltende, elegante Gesamterscheinung. Über der städtischen Basis des Gefüges entwickeln sich unterschiedlich polygonal geformte Wohnhäuser. Die als Mehrspänner organisierten Erschließungen führen zu unterschiedlich großen Wohnungen, die je nach Lage im Gefiert und Orientierung unterschiedliche Größen und Freiräume bieten. Alle Wohnungen sind zweiseitig orientiert, der Großteil über Eck. Dies schafft großzügig belichtete Wohnräume.