Städtebaulicher Wettbewerb Eggarten Siedlung

3. Preis

Das Projekt beschäftigt sich mit der Frage, wie eine Gartenstadt von morgen mit der heute bestmöglichen Dichte aussehen und funktionieren kann. Die neun Baufelder des Eggarten werden vom Freiraum umspielt, die Landschaft diffundiert durch das Quartier. Wie Inseln (ver)ankern sich die Baufelder im neuen Quartier – und richten sich in die sie umfließende und umgebende Landschaft aus.

Das zentrale Konzept des Projektes ist der maximale Kontrast zwischen der lebendigen Urbanität der Baufelder und dem Freiraum - dem weiten Landschaftspark, den Freiräumen entlang der Bahn und dem Lerchenauer See. Dieses Konzept wird auf allen Maßstäben durchgearbeitet. Die Höfe sind über die Sondernutzungen der Genossenschaften belebt und vernetzen sich auf Erdgeschossebene mit dem nahezu autofreien öffentlichen Räumen. Mobilität und Teilhabe sind zentrale Themen und werden räumlich sichtbar und prägend. Quartiersgaragen dienen als Anker an zentralen Orten im Quartier. Öffentliche gemeinschaftliche Nutzungen in den Erdgeschossen (Märkte, Werkstätten, Galerien etc.) sowie über begrünte Fassaden erschlossene Dächer mit Infrastruktur für Gewächshäuser, Fischzuchten etc. lassen aus den Quartiersgaragen attraktive zentrale Orte werden.

Ein urbaner Freiraum, der nur in Teilen der PKW - Erschließung dient, vernetzt die Baufelder miteinander. An diese öffentlichen Räume angelagert finden sich kleinere Vorplätze, die zwar urban, aber dennoch grün sind. An ebendiesen Plätzen befinden sich auch die Quartiersgaragen und die Hochpunkte.

Klare gemeinschaftliche Außenräume, reichhaltige Perspektiven, überraschende räumliche Beziehungen, feinmaschig verteilte Eingänge und ein vielfältiges Angebot an Wohnungstypen bilden die Grundlage für ein lebenswertes Gartenquartier. Der großzügige Quartierspark im Süden vernetzt sich mit den bestehenden Grünzügen und bietet als Ergänzung zum See hohe Aufenthaltsqualitäten - auch für die bestehenden Nachbarschaften. Der Status quo verändert sich im Eggarten: statt viel ungenutzter privater Grünfläche entsteht ein für alle gemeinschaftlich nutzbarer Park.

Aus dem Jury-Protokoll

"Mit ihrer städtebaulichen Leitidee gehen die Verfasser das Wagnis ein, zum Thema Gartenstadt eine konsequent urbane Antwort zu finden. Im Ergebnis entscheiden sie sich für ein sehr kompaktes Quartier mit dem kleinsten Fußabdruck aller Beiträge, dass sich im Schwarzplan als urbaner Nukleus in der Weite der Stadtlandschaft präsentiert.

Die maximierte Geschossfläche wird mit nord-süd-gerichteten Wohnhöfen erzeugt, aus denen Hochpunkte von 8 bis 18 Geschossen herauswachsen. Mit dieser Strategie wird Leitbahnfunktion des südlich angrenzenden Freiraums optimal erreicht. Überdies gelingt es, nahezu die Hälfte des erhaltenswerten Baumbestands in den Freiraum einzubinden. Der im Inneren platzierte „Stadtgarten“ präsentiert sich eher als Stadtplatz, der von gewerblichen Nutzungen belebt werden soll. Der Nahversorger liegt, um Anlieferungsverkehr aus dem Quartier herauszuhalten – allerdings an der Wilhelmine-Reichard-Straße.

Zuschnitt der inneren Freiräume spielt erfolgreich mit dem Thema Straße und Platz. Durch geringfügig verschobene und gedrehte Wände zum öffentlichen Raum entsteht ein spannungsvolles Raumkontinuum. Über gegenseitig versetzte Blockränder und die sich nach außen spreizenden Straßen gelingt eine gute räumliche Verschränkung mit dem Freiraum, die allerdings auf der Südseite durch die dort konsequent aufgereihten Kitas etwas geschwächt wird.

Die Gratwanderung mit der städtebaulichen Dichte hat jedoch Ihren Preis: Aufgrund der schmalen Straßenräume und der frei verteilten Hochhäuser ist eine erhebliche Verschattung und eine ungünstige Tageslichtperformance, sowie Probleme mit den Abstandsflächen in Kauf zu nehmen. Anzumerken ist auch eine erhöhte Wärmebelastung in den Sommermonaten. Auch die Atmosphäre und Nutzbarkeit der schmalen Innenhöfe werden im Preisgericht kritisch diskutiert. Zudem weist dieser Entwurf, bedingt durch die hohe Dichte, einen weniger guten Freiraumversorgungswert innerhalb der Bebauungsstruktur auf. Klimaökologisch liegt der Entwurf, trotz vollständiger Freihaltung der Leitbahn im Süden, auf einem mittleren Niveau.

Die Ambition der Verfasser, mit einem sehr differenzierten Wohnungsangebot auf die Nachfrage – einschließlich Genossenschaftswohnen – zu antworten, wird im Preisgericht positiv gesehen. Mit einer durchlässigen Randbebauung wird ein Beitrag für eine über die Einzelparzelle hinauswirkende Gemeinschaft geleistet.

Drei Quartiersgaragen stehen für ein zeitgemäßes Mobilitätskonzept. Die Zufahrt zur zentral gelegenen Garage am Stadtgarten produziert allerdings unnötig Konflikte. Die back to back an die Hochgaragen angebauten Wohnungen sind zum Hof orientiert und bieten sich mit ihrer wenig prominenten Adresse eher für Sonderwohnformen an. Überdies ergibt sich aus den Tiefgarageneinfahrten ein gewisses Konfliktpotential.

Zusammenfassend würdigt das Preisgericht einen ambitionierten Entwurf, der mit einer konsequenten städtebaulichen Haltung und mit gutem räumlichem Verständnis einen wertvollen Beitrag leistet. An der angebotenen städtebaulichen Dichte und ihren Konsequenzen scheiden sich an diesem Standort die Geister."