Mehrfachbeauftragung für die städtebauliche Entwicklung des Brunnhuber-Areals in Augsburg-Oberhausen

Zuschlag

Stadtraum

Der Ort, nordöstlich der Altstadt Augsburgs gelegen, findet sich an der Schnittstelle eines durch die Bebauung der vorvergangenen Jahrhundertwende geprägten Wohngebiets und der verkehrsreichen Dieselstraße. Der Perimeter war viele Jahre von Hallen der Fertigung schwerer Kräne geprägt – ein Ort des Schaffens und der Arbeit. Aber die geschlossene, flächige Hallenstruktur des Betriebsgeländes bildete gleichzeitig eine ausgedehnte „Terra incognita“ innerhalb des Stadtraums.

Ort

Mit dem Umzug der Fertigung und dem Wunsch nach Umnutzung des Grundstücks entsteht somit auch der Bedarf nach einer Umwidmung der vorgefundenen Atmosphäre des Ortes. Die Arrondierung des bestehenden Wohngebietes im Süden sollte davon ebenso profitieren wie die neuen Bewohner. Es gilt also die stadträumliche Präposition zu analysieren und prägende Elemente zu erhalten und zu stärken. Dies betrifft Raumzuschnitte und Proportionen, Nachbarschaften und Bezüge sowie erhaltenswerte Bestandsgebäude. Der Entwurf schlägt eine Struktur vor, die sich aus vertraut wirkend dimensionierten Gebäuden zusammensetzt, bzw. wertvollen und ortsbildprägenden Bestand erhält. So sollen das Wohnhaus an der Schallerstraße, und der nördliche Teil der langen, östlichen Montagehalle bleiben.

Bebauung

Die neuen Setzungen orientieren sich wie der Bestand in Nord-Süd Richtung und schaffen so zweiseitig nach Ost und West orientierte Wohnlagen. Im Norden zur Dieselstraße bilden diese fünf- und sechsgeschossigen Häuser zusammen mit der charakteristischen Fassade der Bestandshalle stattlichen „Charakterköpfe“ aus, die durch zurückgesetzte, weniger tiefe Bauteile verbunden sind. Die entstehenden Freiräume sind klar gerichtet, aber miteinander zu einem neuen Gefüge verbunden. Ein breiter, baumbestandener Hof im Westen schafft eine ruhige grüne Atmosphäre, während der zweite prägende Hofraum im Osten als urbaner Raum gedacht ist, der auch als öffentliche Passage zu verstehen ist. So wird das neue Quartier an die nördlichen Nachbarschaften angebunden. Schließlich erlaubt das Gebäude, das den südlichen Teil der bestehenden Halle ersetzt, eine räumliche Verknüpfung mit dem bestehenden Freibereich der benachbarten Bebauung entlang der Schaller Straße. Die neuen Bausteine sind in den Obergeschossen von Wohnnutzung geprägt. Im nördlichen Teil der Bestandshalle findet sich ein Angebot der gemeinschaftlichen Nutzung für das gesamte Quartier. Die bestehende Mauer wird etwas verkürzt, dient aber weiterhin als Schallschutzmaßnahme zur östlichen Tankstelle. Auch definiert sie den Vorbereich zur gemeinschaftlichen Nutzung. Der südliche Teil der erhaltenen Hallenstruktur wird für eine spezifische Typologie des Wohnens umgewidmet.

Aus dem Jury-Protokoll:

Der Entwurf erhält zwei der Bestandsgebäude (Halle im Nordosten und Wohngebäude Schallerstraße 3), die von einer Reihe individuell ausgeprägter Baukörper ergänzt werden, die sich um zwei im wesentlichen nord-süd-gerichtete Hofbereiche gruppieren. Es entsteht der Eindruck eines gewachsenen, der Maßstäblichkeit der Umgebung angemessenen Stadtbausteins.

Die in ihrer Ausprägung differenzierten Höfe lassen sich von den Wohnungen gut erreichen und ermöglichen eine Durchwegung in ost-westlicher wie in nord-südlicher Richtung.

Im vorgeschlagenen Erscheinungsbild mit Putzfassaden und dem Wechsel von in der Höhe abgestuften, trauf- und giebelständigen Gebäuden entlang der Dieselstraße wirkt die Planung für die Wohnnutzung sehr angemessen.

Für die Bestandshalle wird der Einbau von Wohnungen vorgeschlagen. Die Umsetzung dieser Idee, deren Charme von der Jury ausdrücklich gewürdigt wird, steht aber unter dem Vorbehalt einer Machbarkeitsprüfung im Hinblick auf eine Untersuchung der baulichen Substanz und wirtschaftlichen Realisierbarkeit wie auch der bauordnungsrechtlichen Genehmigungsfähigkeit der Nutzungsänderung.

Die dichte Baukörperstellung erfordert eine Grundrissorientierung des mittleren Hauses nach Westen. An der Schallerstraße bringt der rechtwinklige Anbau an das Bestandsgebäude eine tendenziell ungünstige Ecksituation mit sich. Der Abstand zu dem zweiten Neubau, der den östlichen Hof nach Süden zur Straße hin schließt, ist für ein angenehmes Wohnen in der vorgeschlagenen Form wohl zu eng. Auch dürfte die notwendige Zufahrt der Feuerwehr zum westlichen Hof eine Verringerung der Baukörperdimensionen zu Gunsten der Freibereiche notwendig machen und die vorgesehenen Baumpflanzungen müssten reduziert werden. Die Tiefgaragen sind zu knapp bemessen und müssten vergrößert werden. Der Vorschlag hat die höchsten Nutzungsziffern aller Beiträge, eine Reduktion der Dichte scheint also grundsätzlich möglich.

Insgesamt hat der Entwurf das Potential, eine für Oberhausen angemessene und identitätsstiftende Wohnanlage zu schaffen. In den Augen der Jury lassen sich die Stiftungsziele eines familiengerechten und generationenübergreifenden Wohnens hier gut umsetzen.