Mehrfachbeauftragung Baumkirchen Mitte

Situation und Konzept

Wenn man sich entlang der Baumkirchner Straße bewegt und die St. Stephanskirche passiert hat, kann man über den Grünzug hinweg die neue Bebauung wahrnehmen: zunächst das markante Gebäude aus Klinker und dann den Aldi, in Sequenzen wird man so auf den Maßstab der Bahnanlagen und das Ensemble aus großen Solitären vorbereitet, das Baumkirchen Mitte ausmacht.

Im Erdgeschoß des Baukörpers schafft der Sockel eine Verbindung zum Aldi Gebäude, sowohl über die (gewerbliche) Nutzung als auch über das Material: eine Sichtbetonfassade mit großen Öffnungen und einer Freitreppe die ins neue Quartier führt. Neben diesen Aspekten ist der gemeinschaftliche Hof eine wichtige Qualität für das MI. Der Hof ist so groß wie möglich – der Schubladenartige Bauteil des Bebauungsvorschlages der Kita ist in den 5- geschossigen (zur Straße 6- geschossig) Baukörper integriert. Das Haus für Kinder erstreckt sich über zwei Geschoße im Westen der neuen Hofbebauung. So bleibt viel Freiraum für die Gemeinschaft.

Das Gebäude verändert sich und passt sich, bei gleichbleibenden Prinzipien, an die unterschiedlichen Bedingungen / Situationen des Kontextes an. Der Hof hat eine leicht unterschiedliche Erscheinung sowohl nach außen und innen, als auch zur Straße sowie zum Freiraum des Bahndammes.

Quartier, Orte und Räume

An der Baumkirchner Straße bildet sich ein belebter Vorplatz. Dazu trägt neben der Bushaltestelle auch die gewerbliche Nutzung im EG des MI bei. Der Zugang zum Wohnen im Haus 1 und die Freitreppe ins Quartier aktivieren zusätzlich den Raum. Sitzplätze in Nähe der Hauszugänge halten den Weg mit dem Kaffeetablett kurz und fördern dadurch deren Nutzung. Der Kindergarten hat eine eindeutige Adresse, sein Freiraum ist im Südwesten außerhalb des Hofes angeordnet.

Die Vernetzung der neuen Bebauung mit der Nachbarschaft und den bestehenden oder neuen öffentlichen Räumen ist über die Passage an der Kita in den Freiraum des Bahndammes und den Durchgang am Aldi gewährleistet.

Die 5 Häuser sind über den Hof erschlossen, einzig das Haus an der Baumkirchnerstraße von eben dieser aus. Die Treppenhäuser folgen der Formensprache des Quartiers und leiten mit einer gerundeten Seite zum Eingang hin. Das Thema der runden Ecke wiederholt sich in den einzelnen Wohnungen: im Eingangsbereich, den Loggien und Balkonloggien.

Fassade und Materialität

Das Projekt unterscheidet deutlich zwei Welten: im Inneren gibt es einen großen gemeinschaftlichen Hof der von allen Häusern genutzt wird. Die Fassade ist hell und freundlich und verzichtet auf den Klinker der Außenseiten. Nach Außen zeigt sich die Bebauung individueller und markanter, die Rundungen des Städtebaus werden betont. Die horizontale Gliederung unterstreicht die Besonderheiten der „schwingenden“ Geometrie, Balkonloggien entwickeln sich aus dieser heraus oder treten nicht aus der Fassadenebene heraus.

Die Klinkerfassade ist nach außen markant und setzt sich bewusst vom Aldi ab. Der durchgängige Betonsockel ist hier geschoßhoch und vermittelt so zur Fassade des Gebäudes auf der Passanten-Ebene. Diese Mehrdeutigkeit ist uns wichtig: Ein eigenständiges Gebäude in der Wahrnehmung - aber im Gebrauch auf der Ebene der Nutzer passt es sich an. Der Betonsockel integriert die Freitreppe am Durchgang. Im Hof bei der Wohnnutzung wird der Sockel niedriger um dann wieder an der Kita geschoßhoch zu werden und die öffentliche Nutzung zu betonen.

Die einzelnen Häuser sind über die mit Klinkerriemchen gestalteten Treppenhäuser im Hof gut ablesbar und die Hausadressen gut zu finden. Farbiger Sonnenschutz und farbige Geländer setzten fröhliche Akzente. Die Farbwelt ist passend zum Klinker gewählt und durch die Bauten der klassischen Moderne inspiriert.

Es ist unser Anliegen dort hochwertige Konstruktionen vorzuschlagen wo viele davon profitieren: So wird der Klinker im Wohnhof als Schmuckelement und nach außen, in den Öffentlichen Raum, vollflächig eingesetzt um dem Bauwerk mehr Prägnanz zu verleihen. Das Zusammenspiel mit der hellen Supermarktfassade macht aus den beiden Bauwerken ein Hofensemble. Die Materialität der Gesamtbebauung bezieht sich immer wieder aufeinander - das Ensemble spielt mit dem individuellen Ausdruck und bleibt doch eine Familie.