Wettbewerb Bad Heilbrunn

3. Preis

Bad Heilbrunn - Ort und Szene

Der Ort liegt an einer der schönsten Stellen des Oberlandes. Auf einer Hangschulter oberhalb des Loisachtals und doch auch nahe der Isar. Was für eine Gunst. Dieser einmaligen Lage des Ortes, zwischen dem Berg im Süden und dem Tal, der weiten Ebene, im Norden ist man sich auch im vorliegenden Planungsgebiet andauernd bewusst. Nicht die Heilquelle alleine ist der Grund für die Attraktivität des Ortes, sondern auch eben die beschriebene Erhabenheit. Alle Bauten und Programme die sich bis in die Gegenwart in Bad Heilbrunn als Folge der Bedeutung als kurfürstliches und später königliches Kurbad ansiedelten, beziehen ihre Bedeutung damit indirekt aus dieser Gunst der Lage in der Landschaft.

ENSEMBLE

Als so verfasster Kurort ist Bad Heilbrunn seiner ganz spezifischen ortsräumlichen Entwicklung gefolgt. Das starke Bewusstsein für die Besonderheit „der Stelle“, über die Nutzung der Quelle hinaus, wurde in Bad Heilbrunns kultiviert. Der Gast und seine Bedürfnisse standen schon früh merklich im Zentrum der Überlegungen früherer Planung. Verschiedene, dem oberbayrischen Bauerndorf fremde Typologien wie Quellhaus, Wandelhalle, Hotel u.Ä. wurden gekonnt gesetzt und bildeten zusammen mit den bekannten dörflichen Typen der Kirche, dem Schulhaus aber auch dem Bauernhaus ein differenziertes und räumlich überaus gekonnt arrangiertes Ensemble. Unterstützt wurde die damit erzielte atmosphärische Dichte durch die vielfach eingewobenen, landschaftsräumlichen Elemente der verschieden dimensionierten Parkräume. Große, wirkmächtige Bäume, in Gruppen gesetzt oder als Allee, richtend und weisend, bestimmen Charakter dieser Parkräume.

Gerade diese großzügigen, herrschaftlichen Baumkulissen unterstützen die beschriebene, ganz eigene Atmosphäre des Ortes, weit entfernt vom bäuerlichen Idyll von Hofstatt, Wirtshaus und Kirche, wie in der nahen Ebene des Isartals häufig behauptet. Auch durch den teilweisen Wegfall einzelner Gebäude, wie des alten Quellhauses und dessen qualitativ weitaus schwächeren Ersatzbaus konnte diese atmosphärische Dichte zunächst nicht wirklich gestört werden. Erst zuletzt, bedingt durch den vollzogenen Abriss ganzer Gebäudeensembles, vor allem der Wandelhalle, stellt sich am Ort das Gefühl einer starken räumlichen Erosion ein. Prägende räumliche Kanten gehen verloren. Baumkulissen und Alleen wirken als schwer zu deutende Relikte. Wichtige Elemente einzelner räumlicher Szene gehen verloren.

Diese szenische Dichte war und ist die markante Qualität des Ortes!

Dabei sind die vorgefundenen Raumsituationen sehr vielfältig und abwechslungsreich. Nicht ein durchgehendes, eindeutiges Bild prägt den Ort. Viele unterschiedliche Szenen können in der Bewegung, während des Flanierens, als sich ergänzende Erlebnisräume begriffen werden. Bad Heilbrunn ist so bereits aufgrund seiner Anlage als Ensemble aus Park und freistehendem, teils villenähnlichem Haus ein Ort des Durchmessens, des bewegten Erlebens, der szenischen räumlichen Arrangements.

SZENEN

Auf dieser Charakteristik baut der vorliegende Entwurf auf.

Bestehende und neu erzeugte Räume folgen so einer Art Choreografie verschiedener szenischer Bilder. Kurpark, Marktplatz, Bella Vista, Allee, Einlass, Grand Hotel sind dafür einige Beispiele. Wesentlich ist dabei, neben den angebotenen Programmen und Nutzungen, die räumliche Verknüpfung der unterschiedlichen Szenen. Vom Kirchberg, durch den Einlass auf den Kiliansplatz. Entlang der Wandelhalle mit Kiosk und Markständen, vor dem neuen, stattlichen Kurhaus vorbei in den Park. Entlang der Allee auf eine kurze Runde und dann, parkseitig der Wandelhalle auf einer Bank, im Trockenen nach Süden gewandt die Berge im Blick. Zurück zum Kurhaus auf einen Kaffee über den Platz am Rathaus vorbei zur neuen Wohnung der betagten Mutter. Später noch einige Zutaten im Laden gegenüber einkaufen. Die Radwege treffen sich hier. Genauso wie die Tagesausflügler und Kurgäste nach vollendeter Wanderung oder dem ausgedehnten Spaziergang.

Die neue, eingeschossige Wandelhalle, das Kurhaus mit Gemeindesaal und kleinem Café sowie Büro und Wohnnutzung in den oberen Geschoßen, nehmen dabei zentrale Rollen als räumlich Vermittler zwischen den einzelnen Szenen ein. Daneben schafft das neue Ensemble der Wohnhäuser an der Badstraße im Norden, einen räumlichen Abschluss des Ortes. Unterhalb schließt sich, dem nördlichen Landschaftsraum der Ebene zugewandt das Bella Vista an. Ein Ort der Ruhe und des Schauens. Von hier führt ein Fußweg, entlang des Hangs, vorbei am neuen Grand Hotel, dem großzügig verbundenem Grünraum folgend zur Park Villa und weiter zur Adelheidstraße südlich der Kirche.

TYPOLOGIEN

Bewusst werden in der gezeigten Planung unterschiedliche Typologien und Formen des Wohnens angeboten. Lediglich das Format der gezeigten Gebäude ist jeweils ähnlich. Entsprechend ihrer Position im Ort und den unterschiedlichen Szenen, wechseln sich 3- geschossige, gestreckte Gebäude mit ebenso hohen aber kompakter dimensionierten Häusern, die eher dem bekannten Typus des Rathauses folgen, ab. Die Gebäude die sich eindeutig auf Landschaft oder Park beziehen, beschreiben dabei eine freiere Formsprache. Die Szenen ändern sich dadurch entsprechen. Das Grandhotel fügt sich so, trotz seiner verhältnismäßig großen Masse in die Landschaft, in der Höhenwirkung angemessen, mit freiem Blick über das Loisach- und das Isartal in die zweite Reihe des Ortes. Das Kurhaus als gemischt genutztes „Erstes Haus am Platze“, ergänzt die langestreckte Wandelhalle, die als einfacher aber eleganter, präziser Holzbau eine trennende Rolle von Marktplatz und Park einnimmt, gleichzeitig aber Funktionen des Unterstandes, der Lagerung, des Sitzens sowie des einfachen Verkaufs und der Ausstellung übernimmt.

Der Entwurf versucht die vorgefundenen Relikte und Qualitäten zu bewerten und diese durch zurückhaltende, neue Setzungen im Ort wieder zu beleben und Bad Heilbrunn so zu einem neu gedachten Gefüge aus teils vertrauten Szenen zu verknüpfen.